wolles worte – liebe, chaos, dunkelheit

wolles worte – liebe, chaos, dunkelheit

 

Die Seite ist seit ein paar Tagen online. Ich bin recht froh, dass ich meine Texte nach und nach online stellen werde. Ich hätte den Texten gegenüber ein schlechtes Gewissen gehabt, wenn ich sie im Datennirwana hätte verschwinden lassen. Sie haben sich viel Mühe gegeben, aus meinen Gedanken „auf Papier“ gebracht zu werden.

Große Worte sind es nicht – es sind emotionale Worte.

Menschenfreund

Menschenfreund

Die eine, versifft in Jogginghose

sitzend, breitbeinig mit fettigem Haar,

Mansplaining kommt in den Sinn

– sie ist eine Frau.

 

Sie trägt ihre Hand zwischen den Beinen,

nicht anziehend gewesen, stößt sie nun ab.

Ruhelos fährt der Blick fort,

er fährt zur nächsten, nicht weit.

 

Die andere, Schamhaar in lila, gefärbt auf dem Kopf,

ein schrill pinkroter Lippenstift,

verzweifelt, man hört ihn fast schreien,

auf schmalen, verwelkten Lippen.

 

Mein Blick muss fort. Nur fort.

Alte Männer mit dicken Bäuchen,

hässlichen Bärten und schlechtem Gebiss,

Fort, nur fort.

 

Die Bremsen sie quietschen,

fast schon ein Lied. Die Räder zugleich,

im Wahnsinn drehend auf Gleis.

Fast schon ein Lied, in der Irre vertraut.

 

Die Türen öffnen dem Draußen

Einlass. Hätten sie es doch niemals getan.

Schwitzendes, hechelndes Fleisch auf Beinen

stürzt ins Drinnen gehetzt.

 

Das Schamhaar in Lila, pinkroter Lippenstift,

die Jogginghose zum Fingern bereit,

die Bäuche und Bärte klatschen

begeistert dem Fleisch ’nen schweigend Applaus.

 

Aus lauter Dankbarkeit hechelt es lauter

und schwitzt noch viel mehr.

Der Mensch rundherrum wird ertränkt,

in stinkendem, nässenden Fleisch.

 

So ist der Mensch und feiert,

das Hässliche in seiner Hässlichkeit,

das Widerwärtige im Niedergang.

Gefeierte Qual der Gequälten.

 

Applaus, den er nicht verdient.

Er verdient einen Arzt,

die Menschen neben ihm,

ertränkt von seinem Schweiß

 

blicken gehetzt, ängstlich,

sie wollen fort, nur fort.

Ich hätte warnen können.

Hätte ich das jemals gewollt?

 

Ich aber kann bald fort, nur fort.

Ich bin bald da.

unterwegs von Mitte nach Pankow,

wie immer, na klar.

 

Ich bin ein Menschenfreund.

Klaus Kinski singt und spricht Bertolt Brecht

Klaus Kinski singt und spricht Bertolt Brecht

Das enfant terrible der deutschen Schauspielkunst, Klaus Kinski, führte am 9. April 1959 Bertolt Brecht auf. Die entstandenen Aufnahmen wurden erst im Jahre 2003 wiederentdeckt und veröffentlicht.

Die einzelnen Titel des Auftritts

  1. Und was bekam des Soldaten Weib
  2. Der Anstreicher spricht von kommenden grossen Zeiten Intro
  3. Der Barbara Song oder die Ballade vom Nein und Ja
  4. O du Fallada, da du hangest
  5. Ballade vom Weib und dem Soldaten
  6. An die Nachgeborenen
  7. Kinderkreuzzug 1939
  8. An meine Landsleute
  9. Vier Aufforderungen an einen Man
  10. Vom Sprengen des Gartens


Kinski spricht Kinski

Nikolai Kinski ist der Sohn von Klaus Kinski. Er spricht die Gedichte seines Vaters, die zu Lebzeiten nie veröffentlicht worden sind. Einen Ausschnitt kann man auf seiner Seite hören.

Die Gedichte von Klaus Kinski wurden posthum als Buch veröffentlicht

Fieber-Tagebuch eines Aussätzigen: Gedichte

 

manchmal – oft – immer

manchmal – oft – immer

Manchmal bin ich entsetzlich leer,
leer wie die letzte Flasche Bier, die noch lange
nicht die letzte sein kann.

Das Gefühl der Leere, ohne leer sein zu
dürfen oder zu wollen, das ist nicht schön.
In der Leere ist alles nicht schön.

Ist das Bier leer, ist es einfach.
Man holt neues, damit es erneut beginnen kann.
Leeren, den Schrank füllen, leeren, abschalten.

Gegen die Leere im Kopf hilft es nicht.
Sie bleibt, sie bleibt beharrlich bestehen,
ungewollt, beharrlich, zäh.

Oft bin ich alleine und leer,
alleine wie die letzte Flasche im Schrank,
Sie will Gesellschaft, so wie ich.

Sie muss nicht alleine sein, ein wenig Geld,
ist noch da, ein wenig Bier im Laden,
zum Laden gequält und nicht mehr allein.

So ist es oft, vielzuoft, immerallein
Schnelle Gedanken, verirren sich in der Leere,
manchmal, oft, immer

Clip: Roter Mercedes – ein Auftritt mit Texten von Charles Bukowski

Clip:
Roter Mercedes
– ein Auftritt mit Texten von Charles Bukowski

Zwei Schauspieler, eine Gitarrist und das Spätwerk von Charles Bukowski.

Einen wunderbaren Auftritt mit dem Spätwerkt von Charles Bukowski begleitet durch einen Blues-Gitaristen kann man bei youtube finden. Auf Anhieb war es recht schwierig Informationen zu dieser Veranstaltung zu finden. Über weitere Informationen bin ich dankbar. …weiter lesen…

1978 – Buk, der schmutzige alte Mann in Hamburg

1978 – Buk, der schmutzige alte Mann in Hamburg

Ein Clip – als Charles Bukowski sich in Hamburg die Ehre gab.

Es ist die Dokumentation zum Buch „Die Ochsentour (Shakespare Never Did This). Die einzige und zugleich legendäre Lesung Bukowskis in der Hamburger Markthalle ist in diesem Film dokumentiert.

Vorab gibt es ein Interview mit seinem Stammübersetzer Carl Weissner, der sich zu einem Freund Bukowskis entwickelte. …weiter lesen…

Wohin geht der Weg?

Wohin geht der Weg?

Das habe ich lange nicht mehr gemacht. Ich bin lange nicht mehr einfach los gelaufen und habe geguckt, wohin der Weg mich führt. Heute mache ich dies seit langer Zeit wieder – zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten. Ich gehe einfach los: Auf der Tastatur mit Worten. …weiter lesen…

Depression

Depression

Manchmal erwischt es mich. Es erwischt mich, ohne dass es einen konkreten Anlass gibt. Es passiert immer, wenn ich alleine bin. Ich bin oft alleine.

Dann erfasst mich eine unsagbare Traurigkeit. Egal, was ich tue, egal wie ich versuche, mich abzulenken, sie umklammert mich. Diese unsagbare Traurigkeit – sie ist da. Sie ist nicht konkret. Sie ist nicht angreifbar. Sie ist einfach da. Sie quält und martert. Sie hat keinen Grund, ein Kampf scheint aussichtslos. …weiter lesen…

Club der toten Dichter – Charles Bukowski

Club der toten Dichter
– Charles Bukowski

Eine einzigartige Mischung aus Text und Musik, sehr stilsicher und spannend umgesetzt, ohne dem Bukowski-Klischee unnötig Futter zu geben.

Stoppok

Manchmal muss man nicht mehr Worte verlieren als jemand, der es schon treffend gesagt hat.

Ein Clip zum Projekt „Bukowski“.

Der Club der toten Dichter hat sich zuvor mit Klassikern der deutschen Literatur beschäftigt.

Das komplette Lied, weil es so schön ist.

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Schwarz ist keine Farbe, schwarz ist aber meine Farbe

Schwarz ist keine Farbe

oder

Erklär mir die Welt

Erklär es meiner Seele.
Erklär meiner Seele, dass
die Welt so bunt und schön ist,
wir auf dem richtigen Weg sind.

Erklär meiner Seele, dass
es nicht um Missgunst und Neid geht,
ein jeder nur das Beste will –
nicht für sich, sondern die Welt.

Erklär meiner Seele,
die Kriege, die Wut, die Kälte.

Erklär meiner Seele,
warum das Böse als das Gute kommt.

Erklär meiner Seele,
warum der Mensch
so wenig sieht,
so wenig hört,
so wenig fühlt.

Erklär mir bitte, bitte die Welt.