Depression

Depression

Manchmal erwischt es mich. Es erwischt mich, ohne dass es einen konkreten Anlass gibt. Es passiert immer, wenn ich alleine bin. Ich bin oft alleine.

Dann erfasst mich eine unsagbare Traurigkeit. Egal, was ich tue, egal wie ich versuche, mich abzulenken, sie umklammert mich. Diese unsagbare Traurigkeit – sie ist da. Sie ist nicht konkret. Sie ist nicht angreifbar. Sie ist einfach da. Sie quält und martert. Sie hat keinen Grund, ein Kampf scheint aussichtslos.

Früher, ja früher besaß ich ein Mittel gegen diese Traurigkeit. Damals war Dämon Alkohol mein Freund. Er war allerdings kein guter Freund. Er war kein echter Freund. Er bescherte Gründe, traurig zu sein. Der Freund musste eines Tages gehen. Ich wollte ihn nicht mehr; die Gründe wurden zu groß.

Es war dann nichts mehr, wie es war. Auf einmal gab es etwas, für das der Mensch einen Namen hat. Er nennt es „Realität“. Diese Realität traf mich. Sie traf mich mit voller Wucht. Es gab so viele Dinge, über die ich nachdenken musste und immer noch muss. Die Zeiten des Weglaufens waren vorbei. Ohne den alten Gefährten musste ich mich stellen. Ich muss mich der Welt und der Traurigkeit stellen.

Ich muss denken – immer und immer und immer und immer. Es hört nicht auf. Die Gedanken rasen durch meinen Kopf, sie prallen von Sicht zu Sicht, aber niemals ohne eine Spur zu hinterlassen. Die Spuren sind tief. Es sind die Abgründe, die wir nicht mehr schauen mögen.

Meine Welt ist eine andere als die der anderen. Meine Welt ist groß, aber doch beschränkt zugleich. Gedanken der Freiheit, der Gleichheit und der Menschlichkeit werden ohne Unterlass ad absurdum geführt. Ad absurdum durch die Beschränktheit des Menschens. Das alles lässt mich fühlen, als sei ich ein Außer- oder aber auch ein Überirdischer mit einem Blick herab auf eine Welt, ohne die Möglichkeit etwas zu tun.

Das alles macht mich so unendlich traurig. Ich will doch nur einer von allen sein. Ich will doch etwas gemeinsam mit allen tun: Dinge verändern, die Welt mit Blumen und Farbe bedecken, Gesichter glücklich machen, singen, tanzen und spielen.

Mir aber bleibt nur die

Depression.


 

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