Facebook und Stalking und vergangene Liebe

Facebook und

Stalking und

vergangene Liebe

Sonntags zwinge ich mich zur Ruhe. Sonntags schaue ich, wie es verflossenen Bändern geht, die es einst zwischen mir und der Sonne gab. Bänder, die Wärme und Geborgenheit gaben. Viel zu kurze Momente, brutal beendet, singen eine ewig zu vermissende Melodie. Ich dämpfe die Melodie und gehe der Sehnsucht nach. Was macht sie? Wie geht es ihr?

Sie ist eine der Frauen, die täglich meine Gedanken zerreißen, um sich dazwischen zu drängen: „Hier bin ich! Es gab einmal Liebe zwischen uns! Jetzt ist sie nur noch bei Dir! Lass sie da!“  Ohne eine Wahl bleibt die Liebe bei mir und zwingt mich, zu schauen, wie es ihr geht. Facebook verrät es in der Öffentlichkeit.

In der Öffentlichkeit erfahre ich dann von ihrem Namenswechsel – von der Ehefrau zurück zum Namen alter Tage. Ist nun das passiert, was eigentlich damals zusammen mit mir passieren sollte? Hat sie sich nun getrennt? Hat sie einen Neuen? Jemanden, dem sie Liebe schenkct?
Ich habe Wissen erlangt, das marternde Fragen in mein Bewusstsein spuckt.

Ich kann nun nicht anders: Das Ausgespuckte treibt mich an: Ich muss ihr schreiben. Eine E-Mail, die ebenso unbeantwortet bleiben wird, wie so manche zuvor. In diesen Mails sagte ich zwar, dass ich keine Antwort bräuchte. Tief in meinem Inneren, das ständig süchtelnd im Liebesfolterkeller verharrt, hoffte ich dennoch immer auf die Antwort, die ich nie erhalten sollte.

Die Pein des Wissens trieb mich dazu, mein Mailprogramm auf den Schirm zu holen und eine Nachricht mit dem Betreff „Dinge im Leben einer Frau“ in die Tastatur zu streicheln. Normalerweise hackte ich eher in die Tastatur, die Erinnerung allerdings brachte eine längst verschollene Zärtlichkeit zurück. Ich musste vorsichtig sein, dass sie sich nicht allzu tief in die Worte vergrub.

Dinge im Leben einer Frau

Ich mache mir gerade Gedanken. Diese Gedanken schwanken zwischen Sorge und Hoffnung. Wahrscheinlich denkst Du jetzt, ich stalke hinter Dir her, weil ich mitbekommen habe, dass Du Dich jetzt wieder Krause nennst. Glaube mir, es gibt kein Stalking.

Hier musste ich mich selbst fragen: Ist es „Cyberstalking„, wenn man das Profil von Menschen aufruft, um zu sehen, ob es neues im Leben dieser Menschen gibt? Ist es moralisch verwerflich, wenn man dem inneren Zwang seiner Gefühle folgt? Man schaut doch nur, was der Mensch den Menschen vor die Füße wirft.

Diese Gedanken kommen mir nur bei ihr. Bei ihr dreht sich alles bei mir. Die Logik dreht den Verstand und es dreht sich alles vor lauter Gefühl.

Es ist halt so: Ich weiß, dass Du jetzt wieder Deinen Mädchennamen angenommen hast. Es gibt mehrere Anzeichen für schwerwiegende Veränderungen im Leben einer Frau. Eins davon ist es, wenn Frauen ihre Frisur radikal verändern. Das andere ist es, wenn sie ihren Mädchennamen wieder annimmt.

Frauen ändern ihren Namen nur, wenn sie heiraten oder sich scheiden lassen. Mir bereitet es nun in Deinem Fall Sorge. Auch wenn es mit uns alles eher turbulent und streckenweise auch sehr unschön war, habe ich nicht aufgehört, Dich bei mir zu tragen. Daher hoffe ich, dass bei Dir alles soweit in Ordnung ist und dass Du mit eventuellen Veränderungen gut zurecht kommst.

Dich bei mir zu tragen„, welch lächerliche Umschreibung für „Ich habe nie aufgehört, Dich zu lieben!„. Allerdings würde der Liebesschwur eine Lächerlichkeit transportieren, wie nur ich sie zustande bringe: Wir sind seit Jahren getrennt. Es hat unschön geknallt am Ende. Ich selbst habe mich ziemlich dreckig benommen. Eine Wahl hatte ich nicht. Ich habe gefleht, gebettelt, gewinselt; war angeschossen und zutiefst verletzt. Verletzte Tiere sind gefährlich. Ich biss dann auch aus der Verzweiflung heraus – aus Reflex aus der mir verpassten Kälte heraus.

Es kann natürlich auch sein, dass Du ein neues Glück gefunden hast. Auch dann wünsche ich Dir alle Liebe, die Dir Kraft und Glück bringt.

Auch wenn ich gestehen muss, dass es mich auch nach der langen Zeit eifersüchtig machen könnte. Wichtiger ist es allerdings, dass Dein Leben nicht in Turbulenz und Chaos untergeht; dass es Dir gut geht.

Wie schizophren die Liebe macht! Man liebt den einen Menschen und wünscht ihm Glück mit einem anderen. Warum? Man selbst weiß doch um sich als beste Liebe für die Angebetete! Dennoch wünsche ich ihr Glück und Liebe. Ich wünsche ihr die Dinge, die mir versagt bleiben. Das Glück und die Liebe der anderen ist aber etwas, für dass es sich auch zu leben lohnt. Sie soll glücklich sein! Ich fresse dann die Krümel vom Kuchen und verhungere nicht!

Ich erwarte auch keine Antwort von Dir. Ich möchte nur, dass Du weißt, dass ich an Dich denke und Dir nur das Gute wünsche. Na ja, ein wenig Egoismus ist an dieser Mail auch: Ich habe meine Sorge in Worte gefasst. Es ist ein wenig Ballast, den ich von mir geworfen habe.

Worte! Wie oft werfe ich Worte von mir, nur um sie von der Seele zu bekommen? Wie oft quälen mich einzelne Worte? Werden sie zu Worten, müssen sie fort. Sie erdrücken meine Seele. Dann schreibe ich. Dann schreibe ich auch E-Mails, die nie beantwortet werden würden.

Weißt Du, wenn wir vieles wahrscheinlich nicht mehr haben; eins haben wir dennoch gemeinsam: Wir sind oftmals beide unverstandene Wesen und doch handeln wir beide immer aus der Liebe heraus.

In der Gemeinsamkeit liegen jedoch Unterschiede: Die Worte, die mich kontrovers, unverstanden und streckenweise auch gehasst werden lassen, sind Worte, die nicht verstanden werden. Die der Gegenüber falsch interpretiert, weil er nur hören kann, was er hören will.

Du allerdings verweigerst dem Gefühl oft den Weg hinaus. Gibst Du ihnen einen Weg, müssen sie durch einen Kokon, den Du in ewig langer Zeit gesponnen hast. Deine Welt des Gefühls ist oft mysteriös; wirkt kalt. Du weißt es. Ich weiß es nun auch. Nun weiß ich, warum Du Dich die „Eisprinzessin“ nennst: im Inneren warm und nach außen so kalt.

Ich hoffe, es ist alles gut in Deinem Leben

Hätte ich es nicht bei diesem Satz belassen können? Sind nicht alle anderen Wort umsonst? Woher aber soll ich das wissen? Es gibt die Hoffnung in mir, dass sie lächelt, wenn sie meine Worte liest. Es gibt die Hoffnung, dass es ihr Trost gibt, wenn sie weiß, dass es jemanden gibt, der sie wahrhaftig liebt.

Ja, so ist sie auch die Liebe in den Zeiten der asozialen Medien. In den Zeiten des leichtgemachten „Stalkings“ und der schnell vergehenden Liebe. Was wäre die Menschheit wohl ohne Facebook? Um einiges glücklicher?

Könnte ich überhaupt glücklicher sein? Die Errinnerung hat alle dunklen Farben der Vergangenheit verwischt. Nicht verwischt ist der Gedanke, dass alles besser so ist, wie es ist. In der Schlichtheit des Anderen liegt es, warum wir Teile aus underschiedlichen Puzzlen sind.
Dennoch tut es gut, zu fühlen, dass man intensiv lieben kann.


 

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