Menschenfreund

Menschenfreund

Die eine, versifft in Jogginghose

sitzend, breitbeinig mit fettigem Haar,

Mansplaining kommt in den Sinn

– sie ist eine Frau.

 

Sie trägt ihre Hand zwischen den Beinen,

nicht anziehend gewesen, stößt sie nun ab.

Ruhelos fährt der Blick fort,

er fährt zur nächsten, nicht weit.

 

Die andere, Schamhaar in lila, gefärbt auf dem Kopf,

ein schrill pinkroter Lippenstift,

verzweifelt, man hört ihn fast schreien,

auf schmalen, verwelkten Lippen.

 

Mein Blick muss fort. Nur fort.

Alte Männer mit dicken Bäuchen,

hässlichen Bärten und schlechtem Gebiss,

Fort, nur fort.

 

Die Bremsen sie quietschen,

fast schon ein Lied. Die Räder zugleich,

im Wahnsinn drehend auf Gleis.

Fast schon ein Lied, in der Irre vertraut.

 

Die Türen öffnen dem Draußen

Einlass. Hätten sie es doch niemals getan.

Schwitzendes, hechelndes Fleisch auf Beinen

stürzt ins Drinnen gehetzt.

 

Das Schamhaar in Lila, pinkroter Lippenstift,

die Jogginghose zum Fingern bereit,

die Bäuche und Bärte klatschen

begeistert dem Fleisch ’nen schweigend Applaus.

 

Aus lauter Dankbarkeit hechelt es lauter

und schwitzt noch viel mehr.

Der Mensch rundherrum wird ertränkt,

in stinkendem, nässenden Fleisch.

 

So ist der Mensch und feiert,

das Hässliche in seiner Hässlichkeit,

das Widerwärtige im Niedergang.

Gefeierte Qual der Gequälten.

 

Applaus, den er nicht verdient.

Er verdient einen Arzt,

die Menschen neben ihm,

ertränkt von seinem Schweiß

 

blicken gehetzt, ängstlich,

sie wollen fort, nur fort.

Ich hätte warnen können.

Hätte ich das jemals gewollt?

 

Ich aber kann bald fort, nur fort.

Ich bin bald da.

unterwegs von Mitte nach Pankow,

wie immer, na klar.

 

Ich bin ein Menschenfreund.


 

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